Samstag, 24. September 2011

Knöpfe (Christoph Merian Verlag)

Knöpfe (Christoph Merian Verlag)

In einer nicht näher benannten Zeit in der man viel Glück haben muss um eine Arbeit zu finden, hat Ann (Herlinde Latzko) das Glück in einer Knopffabrik arbeiten zu dürfen. Die Knöpfe werden stets nach Frauen benannt und leuchten so wie keine anderen Knöpfe von anderen Firmen. Zwar ist Ann froh über die feste Anstellung, allerdings macht ihr die drückende Hitze in der Fabrik zu schaffen, auch die unheimlichen Geräusche die aus den Tiefen der Fabrik kommen machen ihr Angst. Trotz allen Bedenken und gegen den Rat ihres arbeitslosen Mannes John (Ulrich Kuhlmann) bleibt sie bei ihrer Arbeit. Die richtige Entscheidung, meinen zumindest ihre Kolleginnen Jean (Verena Buss) und Rosie (Krista Stadler), als eines Tages aber ein neuer Knopf herauskommt und Jean nicht mehr zur Arbeit kommt beginnen Ann und John zu verstehen was vor sich geht.

1953 erschien diese Erzählung von Ilse Aichinger in Buchform. Das Erscheinungsdatum hilft beim verstehen der nicht so leicht zu fassenden Handlung. Diese handelt von Ängsten und Zwängen und einem Geheimnis das man wegen diesen Umständen nicht verstehen will, zumindest nicht solange es noch weit genug von einem selbst entfernt ist. Parallelen zu der systematischen Vernichtung im dritten Reich ist dabei sicherlich nicht zufällig, trotzdem bleibt es schwer den Symbolismus der Geschichte in seiner Gänze zu fassen.

Nun ist zum 90. Geburtstag von Ilse Aichinger die Hörspielumsetzung von Knöpfe aus dem Jahre 1974 erneut im Christoph Merian Verlag aus der Schweiz erschienen. Das Hörspiel setzt besonders durch den unterschwelligen Einsatz von industriellen Geräuschen. Dadurch entsteht schon mal Grundlegend eine sehr düstere und unheimliche Atmosphäre. Dazu trägt auch Hans Gerd Kübel als Knopfvertreter Bill bei der mit seiner harten erbarmungslosen Art diese Stimmung sehr gut mit trägt. Im totalen Gegensatz dazu wirkt Herlinde Latzkos Stimme die so zerbrechlich und unschuldig ist wodurch das Grauen noch schlimmer wird. Die Erzählweise ist sehr zurückhaltend und leise. Eine Art die ich bei einem Stoff der stark genug ist sehr gerne mag. Und so ist die Stimmung von Anfang an sehr alptraumhaft, unheimlich und nur schwer zu fassen.

„Knöpfe“ hat mir äußerst gut gefallen und ist mir eine dicke Empfehlung wert!

8,7 von 10 Punkte

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