Donnerstag, 5. Juli 2012

Project Zero 2 Wii Edition (Wii)

Project Zero 2 Wii Edition (Wii)

Vor ein paar Jahren spielten die Zwillingsschwestern Mio und Mayu in einem Wald. Mayu fiel und verletzte sich schwer am Bein. Ihre Schwester gibt sich seitdem die Schuld, dass ihre ältere Schwester ein Bein nachzieht...
An einem schönen Tag verbringen die Beiden wieder Zeit im Wald. Sie versprechen sich, immer zusammenzubleiben. Da wird Mayu von irgendetwas tiefer in den Wald gezogen, Mio folgt ihr. Sie finden sich in einem Dorf wieder, das als verschwunden galt. Es scheint verlassen, doch hören sie Stimmen, Geräusche und sehen Erscheinungen, die auf Schreckliches hinweisen. Im Dorf scheint früher regelmäßig ein Ritual abgehalten worden zu sein, in dem ein Zwillingspaar eine wichtige Rolle spielte. Je stärker Mio und Mayu versuchen, aus dem Dorf zu flüchten, desto stärker wird ihr Gefühl, dass die grausamen Ereignisse der Vergangenheit unweigerlich mit ihrem eigenen Schicksal verbunden sind...

Nach nunmehr acht bzw. fast neun Jahren hat sich die Videospielschmiede Tecmo dazu entschlossen, „Project Zero 2: Crimson Butterfly“ bzw. „Fatal Frame 2: Crimson Butterfly“ als „Project Zero 2 Wii Edition“ geschliffen und poliert von Nintendo erneut in die Läden stellen zu lassen.
In Zeiten, in denen Sequels, Prequels, Remakes und Reboots eine Spielemesse wie die E3 dominieren, sollte solch eine Veröffentlichung keine große Verwunderung auslösen. Project Zero 2 Wii Edition lässt einen dann aber doch kurz innehalten und nachdenken. Project Zero 2, also. Habe ich den ersten Teil auf der Wii gespielt? Habe ich davon gehört? Gibt es den Titel überhaupt für die Wii?
Die drei Fragen sind mit Nein zu beantworten. Der erste Titel der Reihe ist nur auf PS2 und Xbox erschienen. Laut dem „Iwatafragt“-Interview auf Nintendo.de mit den Machern des Spiels haben sie den zweiten Teil ausgesucht, da dieser aus ihrer Sicht der beste ist und sie Fans der Serie ein Geschenk machen wollten. Das ist lieb, aber Menschen, die bisher noch nicht mit der Serie in Kontakt gekommen sind, werden wohl die drei obigen Fragen stellen.
Wenn allein das Cover derartige Gedanken auslöst, wird das Spiel es möglicherweise schwer haben. Versprochen werden allerdings bessere Grafik, neue Enden, neue Gameplay-Elemente und eine an die Wii angepasste Steuerung. Allen voran verspricht der Titel allerdings endlich mal wieder ein etwas ernsteres Spielerlebnis auf Nintendos bald abdankender Konsole. Schauen wir uns die einzelnen Aspekte mal genauer an.

Die Story ist letztlich schnell erzählt. Mio und Mayu geraten in das verschwundene Dorf Minakami, das permanent in Dunkelheit gehüllt ist. Überall finden sich Steine, auf denen Zwillinge abgebildet sind, von denen einem meist der Kopf fehlt. Sie finden Hinweise, was möglicherweise im Dorf geschehen ist und Mayu wird immer wieder von einer unergründlichen Macht an Orte gezogen und zu Handlungen gezwungen, die Mio in Angst und Schrecken versetzen. Was aber an dem Dorf wohl am schauerlichsten ist, ist die Tatsache, dass die ehemaligen Bewohner der Siedlung die Zwillinge in Form von Geistern heimsuchen. Manche harmlos, manche davon aggressiv, aber alle verdammt unheimlich. Um sich gegen diese wehren zu können, kann Mio eine Camera Obscura benutzen, um sie zu fotografieren und so zu bannen.
Nach einer Weile dämmert es den Mädchen und dem/der Spielenden, dass das Ritual mit den beiden zu tun hat. Themen wie Schuld, Verlassen, Enttäuschung und Verlust sind tragend für den Geschichtsverlauf und bieten wohl für viele genug Raum zur Identifikation bzw. Mitfühlen mit den Spielfiguren.

Die Stimmung, die dabei erzeugt wird, ist intensiv. Spielt man das Spiel allein im dunklen Raum, wird man förmlich ins Spiel gesogen. Ständig irgendwelche Geräusche, die einen in Alarmbereitschaft versetzen oder Bewegungen, die man nicht auf Anhieb zuordnen kann.
Die Geräusche variieren dabei von „gewohnt, aber unangenehm“ wie dem Knarren einer Tür bis zu „blankem Terror auslösend“ wie dem Kreischen eines Geistes kurz bevor er Mio packt. Manche der Geräusche und Stimmen werden über den Lautsprecher der Wii-Fernbedienung ausgegeben, was zwar qualitativ nicht unbedingt Weltklasse hat, aber wirkt.
Visuell wird das nur unterstützt. Meist sehr dunkel gehalten und nur durch den Schein von Mios Taschenlampe erhellt, können einem selbst kleinste Gegenstände wie eine Spielzeugpuppe einen Schrecken einjagen. Vor allem nachdem, was man an Geistern so zu sehen bekommt. Die Hilflosigkeit, die Mio verspürt, wird immer wieder durch ihr Zusammenzucken verdeutlicht und geht auf den Spieler über. Nur mit einer Taschenlampe und einer Kamera bewaffnet gegen teilweise übermächtig wirkende Geister antreten würde wohl die meisten zermürben.

Die Grafik ist für die Wii eigentlich ganz schön geraten. Die Texturen haben ordentliche Details, was an manchen Stellen auch wichtig ist. Insgesamt wurde sich nah am Original gehalten. Am Design wurde also nicht großartig rumgeschraubt. Oft ist über dem Ganzen ein Filter gelegt, der das Bild extra körnig und vor allem gewollt unangenehm wirken lässt. Leider ändern sich die Lichtverhältnisse bzw. der angewendete Filter ab und zu, was zu abrupten Übergängen führt.
Die Modelle der Geister sind recht detailreich und lassen eine Identifikation zu. Denn – das sollte man nochmal erwähnen – die Geister sind zum überwiegenden Teil nicht einfach nur irgendwelche Geister, sondern Menschen, deren Hintergrundgeschichte man durch gefundene Aufzeichnungen kennt, was ihnen neben dem Grauen, den sie verursachen, oft eine Traurigkeit verleiht, die einem noch weiter zusetzt.
Die Rendersequenzen sind ok. Da hätte teilweise noch etwas mehr drin sein können, aber zu groß sollte die Diskrepanz zwischen Rendersequenz und Ingame ja nicht sein, damit das Gesamtbild homogen bleibt.


Die Steuerung enttäuscht. Umso mehr, da Project Zero 2 eben in der „Wii Edition“ daherkommt. Diese Edition bedeutet zum einen, dass man im Gegensatz zur vorigen Version mit fester Beobachterkamera in den Räumen Mio nun aus Verfolgerperspektive spielt. Zum anderen hat man dadurch die Möglichkeit, dem/der SpielerIn die Taschenlampe und die Kamera mehr oder weniger direkt in die Hand zu geben.
Nach wenigen Minuten Spiel merkt man aber, dass diese Möglichkeit irgendwie nur halb umgesetzt wurde. Einerseits führt die geänderte Perspektive und die ähnliche Haltung von Mio und SpielerIn zu einer stärkeren Identifikation mit der Spielfigur, andererseits bewegt man mit der Wii-Fernbedienung Taschenlampe und Kamerasucher nur in der Vertikalen. Bitte?
Richtig. Nur in der Vertikalen. In der Horizontalen wird sich über den Analogstick des Nunchuks bewegt. Diese Steuerung funktioniert zwar, macht aber die Bewegungen Mios unnötig hakelig und ist weit davon entfernt, „direkt“ im Sinne der Wii zu sein. Gerade bei der Nutzung der Camera Obscura, also hauptsächlich im Kampf, kommen so herbe Frustmomente auf. Ein halbwegs akkurates Zielen ist oft nur mit der Fokusfunktion möglich, da man sonst einfach zu langsam ist. Eben diese Fokusfunktion hat allerdings den Nachteil, dass sie, sobald ein Geist sich entscheidet kurz zu verschwinden und anderswo wieder aufzutauchen, natürlich den Fokus verliert und der Sucher der Kamera einfach in irgendeine Richtung „abrauscht“. Uncool und oft Ursache dafür, dass ein eigentlich schwacher Geist einem stark zusetzen kann. Da hilft einem auch die Möglichkeit auch nicht viel, die Kamera mit neuen Objektiven auszustatten oder Eigenschaften wie Reichweite & Co. über Geistpunkte, die man beim Bannen durchsichtiger Gesellen erlangt, zu verbessern, wenn die Grundsteuerung vermurkst ist.


Unerwarteterweise schafft es das Spiel trotz der oft eher nervigen Kampfsituationen dennoch, die Stimmung aufrecht zu erhalten. Die Geister an sich leisten da währenddessen natürlich ihren Beitrag, aber auch verschiedene Gameplay-Elemente sorgen immer wieder für Nervenkitzel. So tauchen immer wieder Geister auf, die man schnell fotografieren muss, um ihre Geistpunkte zu sammeln. Dies kommt so gut wie immer unerwartet und Bedarf schneller Reaktion und gegebenenfalls auch einen Wechsel der Unterbekleidung. 

Nervenaufreibend sind auch triviale Dinge, wie z.B. Gegenstände einsammeln oder Türen öffnen. Anstatt einfach nur den A-Knopf zu betätigen, muss man diesen halten, damit Mio zugreift oder die Tür langsam öffnet. Jederzeit könnte eine Geisterhand nach ihrer Hand greifen oder ein Geist im Türspalt auftauchen. Der/die SpielerIn muss schlagartig den Knopf loslassen oder, sollte das zu spät geschehen sein, die Wii-Fernbedienung schütteln, um sich aus den Fängen des Geistes zu lösen. Eine super Idee, die ungemein starke Wirkung hat.

Der zusätzliche Spielmodus "Geisterhaus" ist ein netter Zusatz, aber nichts Weltbewegendes. Der/die SpielerIn wird in der Art eines Rail Shooters durch verschiedene Areale geführt. Dabei muss er oder sie die Wii-Fernbedienung so ruhig wie möglich halten, während immer wieder Geister auftauchen oder Geräusche zu hören sind. Für jede Bewegung bekommt der/die SpielerIn Abzüge.
Dieser Modus kann auch zu zweit gespielt werden. Der/die zweite SpielerIn kann dabei allerdings nur selbst Geister und Geräusche herausbeschwören, was für weiteren Schrecken sorgen soll, allerdings in der Praxis meistens nicht so recht funktioniert - man sitzt nunmal meistens im gleichen Raum.

Project Zero 2 Wii Edition hat bei erster Sichtung nicht mehr als ein mürrisches Grummeln bei mir hervorgerufen. Auch die ersten Spielminuten ließen mich vermuten, dass ich die nächsten rund 10 – 12 Spielstunden mit dem Ausrufen verschiedener Synonyme für Dung verbringen werde. Dem war auch so, aber hauptsächlich weil die erzeugte Atmosphäre so bedrückend war. Natürlich ließen sich Flüche bezüglich der Steuerung kaum vermeiden – gerade im letzten Kapitel möchte man die Wii-Fernbedienung einfach nur noch in den Fernseher schmeißen.
Sieht man auch mal von dem „Remake-Makel“ ab, hat man am Ende das Gefühl, ein gutes Spiel gespielt zu haben. Ein wirklich gutes. Nur man selbst fühlt sich nicht gut...

8 von 10 durchbrochene Treppengeländer


P.S.: Für Besitzer des 3DS-Spiels Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch liegt dem Spiel übrigens eine AR-Marke bei.


Gedächtnisprotokoll des mündlichen Kurzreviews El Tofus:
Spiel super, Steuerung hehnnnhnnn.“

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