Dienstag, 28. August 2012

Torchwood - Staffel 4 - Miracle Day (2011) [Polyband]

Torchwood - Staffel 4 - Miracle Day (2011) [Polyband]

Oswald Dane (Bill Pullman), ist ein amerikanischer Gefangener der hingerichtet werden soll. Er ist verurteilter, Pädophilier, Mörder und Vergewaltiger. Seine einzige Erklärung die er der Polizei für seine Tat gab, war „sie hätte eben schneller laufen müssen“. Das Interesse der Öffentlichkeit an seiner Hinrichtung ist aus diesem Grunde sehr hoch und so sind auch viele Reporter in der Nähe als das Unglaubliche geschieht. Er überlebt die Injektion der Giftspritzen. Dane bleibt aber nicht der einzige Mensch, der durch eine Art von Wunder am Leben erhalten wird. Überall auf der Welt vermelden Krankenhäuser das sie plötzlich keine Todesfälle mehr hätten. Selbst Menschen die im Zentrum einer Explosion standen leben weiter und können durch nichts von ihren Qualen erlöst werden. So geschieht es auch dem CIA Agent Rex Matheson (Mekhi Phifer) der am sogenannten Miracle Day freudig über seine Beförderung nach Hause fährt, aber bei einem Unfall von einem Eisenrohr durchbohrt wird. Klarer Fall Herz ist nur noch Matsche und somit der Patient auch tot, aber da der Tod nicht mehr sonderlich bedeutsam ist, lebt er einfach weiter. Lange will er nicht im Krankenhaus verweilen, warum auch, also macht er sich gleich daran zu ermitteln was eigentlich gerade mit der Welt geschieht.

Die Auswirkungen des ausbleibenden Tods ist furchtbar. Eigentlich nicht mehr lebensfähige Menschen, die sich niemals von ihren Verletzungen oder Krankheiten erholen werden, müssen für immer mit ihren Schmerzen leben und zu all dem wurde der Alterungsprozess nicht aufgehoben. Schon bald wird es nicht mehr genug Platz für all die Menschen geben und Essen schon gar nicht. Außerdem vermehren sich durch die ganzen eigentlich Toten Bakterien wie verrückt und bei der Menge von Medikamenten die benötigt werden, werden diese auch noch bald gegen alles resistent sein. Es dauert nicht lange bis überall auf der Welt Konzentrationslager errichtet werden um die hoffnungslosen Fälle systematisch zu vernichten. Auf Dauer ist das aber alles andere als eine Lösung. Doch Rex bekommt einen Tipp von seiner noch recht unerfahrenen Kollegin Esther (Alexa Havins), die im selben Moment in dem Miracle Day Begann eine E-Mail mit der Nachricht „Torchwood“ bekam. Da es keinen anderen Hinweis darauf gibt was dahinter stecken könnte versucht Rex Torchwood zu finden und reist dafür nach England.

Dort führt ihn sein Weg nach Wales, wo Gwen Cooper (Eve Myles) und ihr tapsiger Ehemann Rhys (Kai Owen) mit ihrem gemeinsamen Baby sich vor allen verstecken, die noch etwas von Torchwood wissen könnten. Die beiden werden vom CIA festgenommen und auch Captain Jack Harkness (John Barrowman) taucht wieder auf und wird ebenfalls vom CIA nach Amerika gebracht. Aber auch Jack hat sich verändert, denn so wie es aussieht, scheint er der einzige Mensch auf der Welt zu sein, der noch ganz normal sterben kann, also hat Miracle Day wohl wirklich etwas mit ihm zu tun.

Endlich geht es weiter mit Torchwood, die Grundidee ist für Science-Fiction wirklich fabelhaft. Welche Konsequenzen hat es für unsere Welt und unsere Gesellschaft wenn der Tod keine Bedeutung mehr hat. Eine spannende Frage. Erstmal bedeutet es, dass alle bösen nur kurzzeitig ausgeschaltet werden können und schon bald wieder auf der Matte stehen. Aber auch die Auswirkungen die der fehlende Tod auf die Welt hat wurden bedacht. Wieder mal werden von allen Parteien schwere moralische Entscheidungen eingefordert. Denn irgendwas muss gegen die überlebenden Toten gemacht werden ansonsten ist es mit der Welt bald aus. Parallelen zum dritten Reich, sind sicherlich auch beabsichtigt, wenn die Ärzte alle Hoffnungslosen und unversicherten Personen verbrennen lassen, denn auch hier wird oftmals das Gewissen beruhigt, in dem man sich sacht das man nur seinen Job erledigt. Gut ist auch das durch die Unsterblichkeit keine Spannung verloren geht, da die Menschen eben nur unsterblich sind, aber trotzdem noch genauso verletzt werden können und warten müssen bis ihre Wunden verheilt sind. Es dauert ein wenig bis man ganz begreift wie diese Unsterblichkeit genau funktioniert, aber insgesamt wird das Konzept glaubhaft durchgezogen, auch wenn die Regeln manchmal ein wenig ausgedehnt werden wenn es der Plot benötigt. Auch die Erklärung für alles ist ein bisschen merkwürdig und vielleicht letztlich zu wenig fantastisch für Torchwood. Schade ist auch das wir durch diese Story keinerlei Aliens oder Monster zusehen bekommen. Allerdings wird die Sache mit der Unsterblichkeit gut mit den Figuren verwoben, da Gwens Vater in eines der Lager gebracht werden soll, Jack im Umkehrschluss sterblich wird, eine tolle Idee, da man in den letzten drei Staffeln stets auf der Suche nach krasseren Methoden war um Jack aus dem Weg zu bekommen und man somit den Charakter endlich mal wirklich in Gefahr bringen kann. Außerdem sind zwei der neuen amerikanischen Charaktere auch direkt betroffen. Dr. Vera Juarez (Arlene Tur) ist Ärztin und versucht eine ethisch vernünftige Lösung für das Platzproblem zu finden und Rex ist ja eigentlich schon von Beginn an tot.

Trotzdem hat man sich bemüht jeder Folge auch einen optischen Effekthöhepunkt zu geben. Allem voran wäre da eine Szene in der Wissenschaftler anhand eines Bombenopfers erklären wie es sich mit der Unsterblichkeit verhält. Eine schreckliche Szene und ein sehr gut gemachter realer Effekt. Da kommt man sogar bei Walking Dead nicht mit, wirklich sehr eklig. Ansonsten verlässt man sich hier weiterhin auf CGI, die aber besser als in den vorherigen Staffeln ist, was wohl an der US-Beteiligung an der Serie liegt.

Bleiben wir bei der US-Beteiligung. Die meiste Zeit der 10 Episoden spielt die Serie nun in Los Angeles. In Wales und London ist man auch kurze Zeit über, sogar der Ort in Cardiff, an dem einst die Torchwood Zentrale stand wird kurz besucht. Durch die Dreharbeiten in L.A. hat das Team natürlich ganz andere Möglichkeiten. Neben den besseren CGI, konnte man nun auch in den Warner Studios drehen und man kam an ein paar bekanntere Schauspieler vor Ort. So werden zum Beispiel zwei der Bösewichte von Ernie Hudson (Ghostbusters) und Wayne Knight (Jurassic Park) gespielt. Sehr cool! Ich hatte die Befürchtung das die Serie nun viel Action orientier sein könnte, aber im Großen und Ganzen war das nicht der Fall. Ein paar Momente hätte man in Groß Britannien sicherlich anders gelöst, aber da sich die Handlung aus dem Vereinigten Königreich in die USA verlagert hat ist es schon okay. Generell fühlt es sich vielleicht nicht mehr an wie torchwood, aber seien wir mal ehrlich, sie haben ihre Basis verloren und außer Gwen und Jack ist auch keiner mehr am Leben vom Team. Da darf es sich auch ruhig anders anfühlen.

Respekt gibt es dafür, das man sich für die US-Ausstrahlung nicht verbogen hat. Klar ist teilweise der verschrobene britische Charme und der Trashfaktor ein wenig flöten gegangen, aber dem Action und Drama Teil nimmt das nichts. Denn besonders die dramatischen Momente sind so stark wie immer und das obwohl man die meisten Charaktere noch gar nicht kennt. Am mutigsten ist aber wohl das man Captain Jacks Sexualität nicht beschnitten hat und ihn diesmal sogar ein paar etwas deftigere Mann-Mann Sexszenen vollführen lässt. Besonders lustig ist dabei, dass Rex ein wenig homophob ist, was Jack natürlich erst richtig zu neuen Eskapaden anstachelt. Außerdem sehe ich da irgendwo etwas Gesellschaftskritik darin das der amerikanische Hauptcharakter schwulenfeindlich ist, aber vielleicht denke ich mir das auch nur aus.

Auch im Writing ist die Serie nicht schlechter geworden. Glanzleistung von Russell T. Davies ist diesmal wie er es schafft den pädophilen Oswald Dane, fantastisch von Bill Pullman gespielt, nicht als platten Bösewicht schreibt, sondern sogar dieser Figur viele Nuancen und Tiefe zu verleihen. Sogar so sehr das er eine der tragischsten Figuren wird und man teilweise sogar auf seiner Seite ist und mit ihm sympathisiert. Die meisten der zehn folgen haben also wirklich starke Skripte und man ist immer wieder überrascht, wie man plötzlich zu den Figuren steht. Auch das Verhältnis zwischen Gwen und Jack bleibt weiterhin sehr undefiniert und sorgt immer wieder für Spannung. Der Doctor wird auch ein paar mal erwähnt und es gibt dezente Anspielungen und so kommt dann doch wieder das alte bekannte Gefühl auf.

Ich hatte erst Vorbehalte gegen die vierte Staffel, aber diese wurden recht schnell fast komplett weggewischt. Das Writing ist toll, John Barrowman (Shark Attack 3) ist wie immer unglaublich charismatisch und Bill Pullman (Spaceballs) schafft es einer sehr schwierigen Figur ungeahnte Tiefe zu verleihen. Action ist vorhanden, genauso wie gute Gags und eine gehörige Portion Drama. Fans der Serie werden sich wohl an einige Änderungen erstmal gewöhnen, aber es ist ja nicht so als wäre das was neues bei Tochwood und Doctor Who. Ich fands mal wieder klasse.

Diese Staffel ist jetzt auch auf DVD und Blu-ray bei Polyband erschienen. Die DVD Version ist auf vier Discs verteilt und es gibt erneut ein paar feine Extras. Ihr bekommt Character Profiles, ein FX Special, Behind the Scenes, einige Deleted Scenes und die komplette Motion Comic Serie Torchwood: Web of Lies. Insgesamt macht das über 90 Minuten Bonusmaterial.

7,9 von 10 fragwürdige Fernsehauftritte

Kommentare:

  1. Prima zu lesende Rezi. Aber ich muss zugeben, dass ich ... peinlich, peinlich ... irgendwie keine Lust auf die Fortsetzung habe, seit Ianto ... naja, ohne Spoiler, Du weißt schon ... irgendwie will ich danach nimmer weitergucken, über Gwen habe ich mich zusehr aufgeregt, wäre nur noch Jack (genial, aber ohne Ianto nur die Hälfte) ...

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    1. Ianto wird natürlich schmerzlich vermisst, über Gwen wirst du dich hier aber auch weiterhin aufregen.

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    2. Wo liegt das Problem mit Gwen?

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    3. Also ich finde Gwen ziemlich oft anstrengend, sie ist teilweise so überdramatisch und verhält sich oftmmals so als wäre sie in einem Teeny Horrorfilm.

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    4. In Verbindung mit ihrem walisischen Akzent macht sie gerade das für mich irgendwie knuffig.

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    5. Ich mag sie auch eigentlich gerne, trotzdem verhält sie sich oft echt uncool.

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  2. mh, ich weiß nicht, ob ich weitergucken werde. Mein Mann hat mittendrin irgendwann abgebrochen, weil es ihm zu "amerikanisch" war (wir lieben beide die britischen Sachen, und grade der Doktor und Torchwood sind ja "very british") ... hab da bisschen ´nen kleinen Fimmel ...

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  3. Da bist du wahrlich nicht allein. Die vierte Torchwood-Staffel habe ich jetzt aber lange genug vor mir hergeschoben. Und, naja, sollte die wirklich nicht gut sein, kann man sich über die drei anderen Staffeln freuen. Andere prima Serien kommen noch nicht mal so weit...

    Habe auch mächtig Bedenken bzgl. der sechsten Doctor Who-Staffel. Die fünfte ist ja super, deutet aber den Willen, auch das amerikanische Publikum zu bedienen an...

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  4. Die bereits vierte Staffel dieser Serie, die bei Fans geteilte Gefühle auslöst. Ich selbst würde mich nicht als Fan bezeichnen, da ich die Serie ehrlich gesagt bisher nur sporadisch gesehen habe, also nicht alle Folgen. Aber ich fand gut in diese vierte Staffel rein, konnte sogar hier- und da die Anspielungen verstehen. Die neuen Charaktere finde ich passen hier auch gut rein und geben der Serie eine angenehme frische, an der es zuletzt etwas gefehlt hat.

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    1. Einer Serie, die sich in ihrer zweiten und dritten Staffel sowohl bzgl. der Geschichten, dem Storytelling und den Charakteren stark veränderte, fehlende Frische zu unterstellen, deutet daraufhin, dass wirklich nur äußerst sporadisch geschaut wurde.

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  5. So. Jetzt habe ich die Staffel auch mal geschaut...und hoffe, dass es auch noch eine fünfte gibt. Aber dann bitte, bitte, bitte wieder mit irgendeinem Alien und mehr abgefahrenen Geräten. Auch wenn es nur ein Weevil ist, der einen Lasernagelknipser benutzt...oder so. Das Torchwood/Doctor Who-Universum ist nunmal voll davon, nur bekommt man das in dieser Staffel nicht wirklich mit.

    Nichtsdestotrotz wird hier eine gute Science Fiction-Geschichte im Großen und Ganzen super inszeniert. Die Besetzung ist voller bekannter Gesichter und hat mich wirklich gefreut. Überraschend war für mich da auch wirklich Bill Pullman, der anscheinend Bock und den Saft mit sich hatte. Ein furchtbarer Charakter unangenehm gut gespielt.

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