Freitag, 10. November 2017

Andy Warhol's Frankenstein (1973) [cmv-Laservision]

Andy Warhol's Frankenstein (1973) [cmv-Laservision]

Baron Frankenstein (Udo Kier) lebt in einer inzestuösen Beziehung zu seiner Schwester Katrin (Monique van Vooren), aus der auch zwei gemeinsame Kinder hervorgegangen sind. Das reicht ihm jedoch nicht. Er will perfekte Kinder und die kann ihm seine Schwester nicht schenken. Die perfekten Kinder sollen aus einem perfekten Paar entstehen, das er höchst selbst aus eigens produzierten Leichen zusammennäht. Als der Baron dann aber den Kopf eines einfachen Arbeiters an seine Kreatur (Srdjan Zelenovic) bastelt, beginnt Nicholas (Joe Dallesandro), der Sexdiener der Gräfin die scheußlichen Experimente aufzudecken. Das ist aber nicht das einzige Problem des Grafen, zusätzlich hat Frankensteins Kreatur auch noch keinen Bock sich zu vermehren...

„Flesh for Frankenstein“, ein Film von Paul Morrissey und produziert von Andy Warhol, schafft es gleichermaßen eine für seine Zeit mutig moderne Adaption des Stoffes zu sein und gleichzeitig Mary Shelleys Werk teils plump, teils subversiv zu parodieren. Das titelgebende Fleisch spielt hier auch die Hauptrolle. Schließlich geht es darum etwas aus Fleisch zu schaffen, aber auch das Fleisch zu begehren, es zu zerstören und natürlich um ungezügelte Fleischeslust. Diese kann mal mit einer Gallenblase vollzogen werden, auch mit der eigenen Schwester, einem Monster oder und das ist vermutlich das schlimmste, mit einem Menschen der hierarchisch und in der sozialen Ordnung unter einem angesiedelt ist. Diese Klassenunterschiede spielen hier eine große Rolle und sprechen auf ungewöhnliche Weise gesellschaftliche Probleme an. Dieser Ton zieht sich durch den gesamten Film, kann aber zwischen all dem Blut, dem Sex und anderen grotesken Momenten auch leicht ignoriert werden.

Zwischen absurder gesellschaftspolitischer Satire, groteskem Horror, Sex, Gewalt und teils relativ klamaukigem Humor ist „Flesh for Frankenstein“ ein vor allem merkwürdiger Film, der so in dieser Form wohl nur mit den involvierten Menschen entstehen konnte und so vermutlich nicht reproduzierbar ist. Morrissey scheint voll darin aufzugehen, machen zu können, was ihm in den Sinn kommt und erschafft somit einen Frankenstein der sich in jedem Fall sehr deutlich von allen anderen, meist sehr gleichförmigen Frankenstein Verfilmungen ab. Mit Udo Kier (Das deutsche Kettensägen Massaker) hat der Film einen großartigen Bösewicht, der vor allem im englischen Originalton sehr überzeugend und zugleich äußerst komisch wirkt. Dazu muss gesagt werden, dass die deutsche Synchronisation zwar ziemlich gut ist, aber sehr viele feine Facetten der Dialoge und besonders den Humor und oft auch die Heftigkeit des Inhalts zerstört. Mit Joe Dallesandro (Andy Warhol's Trash) steht Kier ein talentierter Schauspieler entgegen der zu Warhols Stammspielern gehört. Und selbst Monique van Vooren, die ansonsten höchstens kleine Rollen spielte, wirkt meist überzeugend. Für die teilweise nicht so richtig überzeugenden, oftmals dennoch ekligen Spezialeffekte war Carlo Rambaldi zuständig, der uns später mit seinen Effekten in Filmen wie „E.T.“, „Alien“ und „Dune“ begeistern durfte.

„Andy Warhol's Frankenstein“ ist nicht immer ein guter Film, aber in jedem Fall immer unterhaltsam und visuell interessant. Es ist ein schöner Film, voller Hässlichkeit, Sex und Humor und einigen sehr blöden 3D Effekten. In allem also ein grotesker Spaß der durchaus mehr bietet, als zuerst zu erwarten ist.

Das Mediabook enthält natürlich DVD und Blu-ray des Films, beides bietet euch den Film in guter Audio- und Videoqualität. Ein 16-seitiges Booklet bietet noch einige Hintergründe zu dem Film und auch auf den Discs lassen sich noch einige Extras finden. Den Anfang machen einige Probeaufnahmen, die wiedergefunden wurden. Allerdings nur das Bild und nicht der Ton. Dafür werden die Proben von Regisseur Paul Morrissey kommentiert. Morrissey kommentiert ebenfalls die Bildergalerie und einen Audiokommentar. Letzteren gemensam mit Udi Kier und Maurice Yacowar. Zuletzt gibt es natürlich noch den originalen und den deutschen Trailer zum Film.

6,9 von 10 Eidechsen auf dem Arsch

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