Montag, 14. Mai 2018

Die Frau die singt - Incendies (2010)


Die Frau die singt - Incendies (2010)

Nach dem Tod ihrer Mutter werden Zwillinge Jeanne (Mélissa Désormeaux-Poulin) und Simon (Maxim Gaudette) mit ihrem ungewöhnlichen letzten Willen konfrontiert. Sie bekommen zwei Briefumschläge die sie ihrem verstorben geglaubten Vater und ihrem unbekannten Bruder überreichen sollen. Ohne ihren Bruder und ganz allein macht sich Jeanne auf die Suche nach der Vergangenheit ihrer Mutter. Sie reist in das nicht näher genannte nordafrikanische Geburtsland ihrer Mutter, wo die Vergangenheit nur schwer zu entwirren ist, da die meisten Spuren vom jahrelangen Bürgerkrieg zerstört wurden.

Mit „Incendies“ gelang es dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve (Arrival) erstmals eine große internationale Aufmerksamkeit für einen seiner Filme zu erlangen. Sogar für eine Oscar Nominierung reichte es. Schaut man Indencies, verwundert die Nominierung auch nicht gerade. Villeneuve versteht es Dramaturgie und Symbolismus zu einem Bedeutsamen zu kombinieren. Das wirkt zwar oftmals sehr gewollt und etwas zu bemüht kann insgesamt aber durchaus bewegen. In seinem künstlerischen Eifer trägt er dabei gerade im Finale zu dick auf, was aber letztlich nicht unbedingt sehr stört. Eine subtilere Herangehensweise wäre manchmal dennoch schöner gewesen. Letztlich ist es aber wohl das unangenehm moralisierende Ende, dass sowohl der ausschlaggebende Punkt für die Oscar Nominierung des Films war, aber auch für mich der Grund warum er am Ende stark hinter seinen Möglichkeiten zurück bleibt. 

Insgesamt sind die Castingentscheidungen des Regisseurs ziemlich gut, gerade Mélissa Désormeaux-Poulin und Lubna Azabal gehen glaubhaft als Mutter und Tochter durch und spielen beide immerzu überzeugend ihre Rollen. Lediglich Maxim Gaudette ist eine sehr unglückliche Wahl. Gaudette, vor allem als der Killer aus Villeneuves vorherigen Film „Polytechnique“ bekannt, ist zwar ein durchaus guter Schauspieler, aber als Kind zweier nordafrikanischer Eltern geht er ganz sicher nicht durch. Wodurch hier durchaus gerechtfertigt der Vorwurf von Whitewashing aufkommen kann.

Ansonsten handelt es sich um einen, in allen Belangen soliden Film. Die Geschichte wird kompetent erzählt und schlängelt sich durch verschiedene Perspektiven und Chronologien und verbindet am Ende viele Schicksale zu einem, zwar etwas unglaubwürdigen, aber dennoch funktionierenden Twist. Die Kameraarbeit ist nicht herausragend aber besonders genug um im Gedächtnis zu bleiben und vor allem in den kleinen Rollen können viele unbekannte Darsteller*innen ihr können beweisen.

„Incendies“ ist ein starker Film, der zwar unter seiner eigenen Bedeutsamkeit leidet, aber insgesamt auf intelligente Weise unterhalten kann. Die Thematisierung von Bürgerkrieg, die nüchterne und erschreckende Darstellung von Gewalt ist respektvoll und dient nicht auf reißerische Weise zum erzählen der Geschichte.

7 von 10 Mathehausaufgaben
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